Die Heidelbergseite

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Station NADLER

Nadlers berühmteres Gedicht "Brand im Hutzelwald" wird auch in den Lebenserinnerungen des Heidelberger Arztes Dr. Adolf Kußmaul geschildert (Quelle zeno.org oder Projekt Gutenberg):

"In diesen Sommer fiel auch der berühmte Brand im Hutzelwald, der dem Pfälzer Poeten Nadler zu dem lustigsten seiner Gedichte Anlaß gab. An dem Tage dieses Ereignisses erhielt Bronner Besuch von seiner Schwester. Sie kam in Begleitung derselben heiteren Gesellschaft, die im verwichenen Herbst bei ihr in Wiesloch zu Gaste gewesen war. Die jungen Damen teilten mittags unser Mahl bei der Doktorin; kaum war es zu Ende, so erscholl Feuerlärm. Wir hörten, es brenne im Hutzelwald, und stiegen sofort auf den Speicher des Hauses, um nach der Gegend des Waldbrandes auszuschauen; in der Tat sahen wir den Rauch über den Gaisberg aufsteigen. Das gefährliche Element trieb nunmehr sein bedenkliches Spiel an zwei Orten zugleich, draußen im Wald und in der Stadt auf dem Speicher der Doktorin."

Weitere Infos über den Hutzelwald: http://www.hutzelwald.de/Geschichte.htm

Karl Gottfried Nadler hat im nahen Bergfriedhof seine letzte Ruhestätte gefunden. Ein schlichtes Steinkreuz zieren die Worte eines Freundes: "Ist ein Grab nach Wunsch Dir, du Pfälzer Dichter, geworden? Sicher, es ruht sich leicht hier in dem sonnigen Berg. Schaue hinauf zu den Höhen, sie sind voll Wein und Kastanien, teile die Zweige nach vorn, da liegt die fröhliche Pfalz!"

Vor allem erwähnenswert ist der "48er" Friedrich (Karl Franz) Hecker! Dieser umtriebige zeitgleich lebende badische Revolutionär und Heidelberger Consemester von Nadler und Mitstudent der Jurisprudenz wurde durch Nadlers Spottgedicht sein Todfeind, im wahrsten Sinn des Wortes, denn wegen diesem Gedicht wurde ein Attentat auf Nadler verübt, an dem er jung verstarb.

Wikipedia: Friedrich (Karl Franz) Hecker - Karl Christian Gottfried Nadler
Das Original von Nadlers Guckkasten-Lied vom großen Hecker.

Jetzt aber hier das eigentliche Hecker-Lied:

1. Wenn die Leute fragen,
Lebt der Hecker noch?
Könnt ihr ihnen sagen:
Ja, er lebet noch.

Refrain:
Er hängt an keinem Baume,
Er hängt an keinem Strick.
Er hängt nur an dem Traume
Der deutschen Republik.

2. Fürstenblut muß fließen
Knüppelhageldick,
Und daraus ersprießen
Die freie Republik.
Ja, dreiunddreißig Jahre
Währt die Knechtschaft schon
Nieder mit den Hunden
Von der Reaktion!

3. Schmiert die Guillotine
Mit Tyrannenfett!
Schmeißt die Konkubine
Aus des Fürsten Bett!
Ja, dreiunddreißig Jahre
Währt die Knechtschaft schon
Nieder mit den Hunden
Von der Reaktion!




Schoßgebete: Aus diesem Schoß (Elisabeth Stuart, der das Elisabethentor von ihrem Liebsten als little birthday present gegeben wurde) kommen alle preußischen und englischen gekrönten Häupter, denn nachdem 1701 ein englisches Gesetz alle Katholiken für immer von der Thronfolge ausschloß, kamen die deutschen evangelischen Anwärter dran: 1714 König Georg I von England und, skurrile Randnotiz, der sprach Zeit seines Lebens kein Wort Englisch!!

Zur Genealogie: Friedrich V. heiratete 1613 als 16-jähriger! (Verlobung und erstes Sehen: 7.1.13 // Hochzeit 24.2.13) die Enkelin der hingerichteten Maria Stuart und Tochter des UK (United Kingdom of England Scotland and Ireland) Königs Jakob I. In 19 Ehejahren hatte Friedrich V. 13 Kinder, ua. Karl-Ludwig, der Vater der Liselotte von der Pfalz. 1630 (2 J. vor seinem Tod) wurde die jüngste Tochter SOPHIE geboren, (Sofienstrasse in Heidelberg!) und sie heiratete Ernst August von Braunschweig-Lüneburg und zog nach Hannover, wurde dort 1692 Kurfürstin und ihr Sohn Georg (Großmutter Elisabeth Stuart = Tor!) wurde 1714 engl. König. Alle britischen Royals kommen somit aus dem Schoß des Elisabethentores !!



Eine der Positionen ist Haspelgasse 20

Während die Studenten den wilden Mann markierten, mit Säbel an der Seite und Schmiß im Gesicht, mußten die feinen Professorentöchter geschützt von Gouvernanten vorsichtig durch die Straßen, wenn überhaupt, geführt werden. Da ein direktes Ansprechen (Fräulein, darf ichs wagen, ihr Arm und Geleit anzutragen...) immer mit dem obligtorischen Nein beantwortet werden mußte, kam eine Heidelberger Bäckerin 1863 auf die Idee, ein bestimmtes Gebäck einzupacken, und zwar so, daß eine heimliche Botschaft mit eingewickelt werden konnte. Dieses an die Gouvernante zur Weiterleitung zu reichen, war genau die Grenze des Erlaubten, und die Verehrte konnte allein zu Hause auspacken. Das Gebäck - wir nannten es am Niederrhein "Kalter Hund" - bestand aus Leibniz-Keksen und Schokoladenpampe und war ganz unwesentlich neben dem Geheimen Zettelchen.... Heutzutage fürchtet es die Geliebte eher als Kalorienbombe und läßt sich lieber ansimsen.



Altstadtführung im Regen

Starkregen: Wir gehen gleich in die Heiliggeistkirche: Fenster Hella Santarossa, Stadtphysikus, Schreiter, Königsgrab, Bibliotheca Palatina, Simultaneum, hier König Ruprecht I., dessen Hochgrab (Ruprecht III., der als Ruprecht I. dt. König wurde) in der Mitte des Chorraumes stand. Der einzige unserer Kurfürsten der fast Kaiser geworden wäre. Wunderbare weiche Spätgotik, völlige Gleichberechtigung und Liebe des Ehepaares blickt aus diesem Gesicht, nur die Symbole unterscheiden sich, Löwe für Kraft und Hund für Hingabe, Treue, Unterwürfigkeit, hier wird je nach Gästeführer was anderes erzählt. Alle übrigen Grabmäler sind zerstört, leider auch das von Ottheinrich, der ähnlich wie Gaddafi ganz freizügige Frauenfiguren schon zu Lebzeiten um seine Grabstätte stellte, die dann wegen zu deutlicher Überschreitung der Schamgrenze mit Stoffen verhüllt wurden und uns nur noch durch Schilderungen bekannt sind. Das einzige nach den Wirren des 30j. Krieges wiedergefundene Grabmahl wurde dann auch noch falsch aufgestellt, es blickt jetzt der König nicht nach Osten (ex oriente lux und Auferstehung) - er wurde übrigens auch nicht Kaiser, weil ihm das Bestechungsgeld für die Durchreise zum Papst ausging. Aber das mit der falschen Blickrichtung teilt er mit Hella, deren Fenster auch konzipiert wurden, daß die helle Mittagssonne durchleuchten sollte, aber dann erkannten die Heidelberger ihren Schildbürgerstreich, beim Kauf die Fenster sonnendurchglüht gesehen zu haben, dann aber feststellen mußten, daß in Heidelberg die Sonne nie von Norden scheint.

Bei weiterem Regen auch über den Ritter und den Studentenkuß hier reden. Und dann kurzer Sprung zur Steingasse 9: Thema hier vor dem bis 19 Uhr zugänglichen Bild der alten Altstadthäuser: Die Fußgängerzone, der Umbau Heidelbergs, die Tiefgaragen. (Test: stimmt das mit dem Eingang?)

Dann kann man sich unter dem Brückenbogen trocken unterstellen und über Carl-Theodor reden, der immerhin der Namensgeber meines Heidelberger Großvaters war. Kein leibliches Kind, aber ganz Schwetzingen hat heute noch seine Knollennase. Die fünf Flüsse Rhein, Donau, Isar, Mosel und Neckar, der englische Garten, Mozart (1756-91) spielte 1763 als Siebenjähriger hier ein Orgelkonzert. Diese Wunderkindertour ging ja bis London hoch, dann bis Lyon wieder runter und dauerte drei Jahre.

Benjamin Franklin (1706-90) erfand zeitgleich bifokale Brillen und "the lightning rod" und schrieb die Verfassung der USA (Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776): "We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness."
Die erste deutsche Übersetzung der Unabhängigkeitserklärung veröffentlichte einen Tag nach ihrer Verabschiedung die deutschsprachige Zeitung Pennsylvanischer Staatsbote in Philadelphia. Sie gab diesen Abschnitt folgendermaßen wieder: "Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit." - Siehe Wikipedia.

Dann kann man in Eberts Wohnzimmer (schließt um 18 Uhr) oder in den Film über Ebert flüchten. Dann muß man über die Hauptstraße an der Jesuitenkirche und Kampfmadonna vorbei, am Augustinerkloster an Luther denken, der 1518 hier erstmals seine Thesen disputierte um dann zum Reichstag nach Worms zu reisen: "So bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!" Die berühmten Worte "Hier stehe ich und kann nicht anders!" stammen nicht von Luther, sind aber eine gute Zusammenfassung seiner Lehre SSS: Sola Fide, Sola Gratia, Sola Scriptura. (Solum Christum). Allein durch den Glauben, Allein durch die Gnade Gottes, allein durch die Schrift kannst du selig werden, aber nicht durch Tetzels (gest. 1919) Ablaßhandel: Wenn der Groschen im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. Nette Geschichte am Rande: Auch aus Berlin ist eine ähnliche Geschichte überliefert: Tetzel verkaufte beispielsweise vor der Nikolaikirche die "schriftliche Vergebung der Sünden" an gut Zahlende. Gegen Geld erwarb auch ein anonymer Wohlhabender eine Ablaßurkunde für eine Sünde, die er erst am Folgetag begehen wollte. Als Tetzel am nächsten Tag weiterreiste, wurde er in der Nähe von Trebbin überfallen, und die Ablaßlade mit den eingenommenen Geldern wurde ihm geraubt - von dem Mann, der sich schon von der Strafe Gottes freigekauft hatte. Siehe Wikipedia.



Heilig Geist...

Hier interessieren die lichtvollen Einblicke, denn es ist ja eine Universiätskirche. Und um die alten Fenster weiß keiner was. Aber nur insofern bin ich sicher, als dies ja die Universitätskirche war, in der Vorlesungen gehalten wurden, die nur bei Licht möglich waren ("Ich bin helle in der Kapelle."). Und deswegen lohnt es sich, die im 19 Jahrhundert eingesetzen kunstlosen Ornamentik-Fenster zu überdenken. 1957 kam als erstes Fenster das im Westwerk dazu, die Offenbarung darstellend, im typischen zeitlich stimmigen Geist der postexpressionistischen Pseudo-Mosaike: Und dann der große Wurf, Heidelberg beauftragte den berühmtesten Glaskünstler, Professor Schreiter, und der entwarf ein Konzept für alle Fenster der Kirche. Aber als das erste reingehängt war... (erst dann) entrüstete sich der "gesunde" Volkszorn und der Pfarrer (Alpermann) und der Künstler (Schreiter) wurden aus der Stadt für immer vertrieben mit Schimpf und Schande. Ein paar Artikel dazu habe ich Ihnen aufgehoben, das Fenster finde ich wunderbar (gleich rechts, wenn Sie reingehen...)



Und der Text ist: Es wird der Tag des Herrn kommen... und die Himmel werden schmelzen vor Hitze und die Erde wird verbrennen. Und dazu das Datum von Hiroshima 6.8.45 - daneben aber der Rettungsspruch: Meine Gnade soll nicht weichen von Dir.

Das nächst Fenster sollte das Original-KG des sterbenden Albert Schweitzers haben und auf die schlußendlich hilflose Medizin hinweisen. Aber... dann wurden Pfarrer und Professor mit Tara aus der Stadt getrieben: "für Immer!"

Und viele Jahre später, 2004, beauftragte man eine moderne Glaskünstlerin mit neuen Fenstern, hängte die aber dann an die Nordseite der Kirche und - wunderbarer Schildbürgerstreich unserer Gemeindevertreter, wunderte sich dann, daß in Heidelberg nie die Sonne in Nordfenster reinscheint. Ja, ist die Sonne hier wirklich nur im Süden?

War einmal ein Bumerang / war ein weniges zu lang / Bumerang flog ein Stück / kam aber nie zurück / Publikum noch stundenlang / wartete auf Bumerang.

Die von Hella Santarossa verkauften Fenster blieben farblos, denn die Sonne kam nie, wie an der Fenstervorstellung im Atelier, aus der Leuchtrichtung. Aber faszinierend sind sie schon, das girl im pool - ich schwimme auch gern - und das beste Bild sind die 50 gestapelten Laptops, die alle bereits nicht mehr gehen. Menschlicher Geist ggü göttlichem, wie schnell unterliegt der. Weitere Infos: rundschau-hd.de, theomag.de, hellasantarossa.de

Und hier noch ein paar Bilder:






Kurze Geschichte Heidelbergs
  1. Homo Heidelbergensis 500 000 Jahre "erectus", Werkzeug, noch keinen Schmuck

  2. Keltische Ringburg auf dem Heiligenberg vor 5000 J.

  3. Römerbrücke und Römerstraße von Augustus-Stadt (Augsburg) nach Confluentes = Koblenz) in der Ebene bei HD 200 n Chr.

  4. "Propter Copiam Vini" baut der Kaiser einen Palast = Pfalz = Burg, und später dazu als Versorgungsstadt HD: Bei Friedrich I Barbarossas Tod wird HD erstmals im Erbschein erwähnt. 1196

  5. Universtiätsgründung 1386

  6. Hochruhm Bibliotheka Palatina und Untergang (Winterkönig Fr.V = 30.j. Krieg)

  7. Bürgerlicher Barock Wiederaufbau nach Orleanschen Erbfolgekrieg 1700

  8. Untergang nach Wegzug des Hofes nach MA 1720

  9. Ruine = Symbol der Romantik Einzug Eichendorff 1804

  10. Ruperto Carola blüht auf

  11. Eisenbahnanschluss 1840 Tourismus blüht auf

  12. Weltberühmte Unistadt mit 12 Nobelpreisträgern


HD-Sprüche

Hier in der Landfriedstraße 14, ja genau in den Praxisräumen Dr. Jung, hat Prof. Willy Helpach gewohnt, Mitbewerber neben Friedrich Ebert um die Kanzlerschaft, Psychologe und Politiker, Autor des genialen Buches Geo-Psyche: "In Heidelberg kann man weniger arbeiten als anderswo, aber es gelingt mehr!" (Quelle Merian, das neue Heft über HD)

August von Kotzebue: "Wenn ein Unglücklicher mich fragt, wo er leben müsse, um dem lauernden Kummer dann und wann einige Stunden zu entrücken, so nenne ich ihm Heidelberg; und wenn ein Glücklicher mich fragt, welchen Ort er wählen müsse, um jede Freude des Lebens frisch zu kränzen, so nenne ich ihm abermals Heidelberg." (August von Kotzebue, deutsch-russischer Gesandter, erschossen 1819 in Mannheim von dem nationalgesinnten Jenaer Burschenschafts-Studenten Karl Ludwig Sand.)

Goethe: "Heidelberg wiederzusehen muß ganz wunderbar sein, nur daran zu denken bringt mich in einen ganz eigenen Zustand." (Goethe - Brief an Marianne von Willemer vom 13. Januar 1832)

Jean Paul: "Ich habe hier Stunden erlebt, wie ich sie unter dem schönsten Himmel meines Lebens gefunden, besonders die Wasserfahrt, das Studentenvivat, und gestrige Gesänge (...) Der gesellige Ton ist hier Leichtigkeit, Anstand und Freude; vier angetrunkene Punschbowlen bei Voß und 100 ausgetrunkene Weinflaschen auf dem Schiff ließen doch diesen Ton bestehen."

Mark Twain: Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain beginnt seinen berühmten Essay "Die schreckliche deutsche Sprache" mit einem Besuch im Heidelberger Schloß: "Ich ging oft ins Heidelberger Schloß, um mir das Raritätenkabinett anzusehen, und eines Tages überraschte ich den Leiter mit meinem Deutsch, und zwar redete ich ausschließlich in dieser Sprache. Er zeigte großes Interesse; und nachdem ich eine Weile geredet hatte, sagte er, mein Deutsch sei sehr selten, möglicherweise ein "Unikat"; er wolle es in sein Museum aufnehmen."

Kurt Tucholsky: In dem Text "Wenn die Igel in der Abendstunde" karikiert der Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890-1935) den Ruf Heidelbergs: "Denn der schönste Platz, der hier auf Erden mein, das ist Heidelberg in Wien am Rhein."




Man kann in Eberts Wohnzimmer (schließt um 18 Uhr) oder in den Film über Ebert flüchten

Überhaupt Ebert und das deutsche Schicksalsdatum des 9. Novembers. An besagtem Datum erklärte der Reichskanzler Max von Baden gegen 12h die Abdankung des Kaisers und den Verzicht der Nachfolge des Thronfolgers, angeblich ohne Rücksprache mit dem Kaiser.

Gegen 14h erklärte Phillip Scheidemann die Deutsche Revolution und rief Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten aus, sich selbst zum Reichskanzler.

Gegen 16h erklärte dann Karl Liebknecht vom Spartakusbund die Räterepublik für Deutschland.

Abends gegen 20h formierte sich der Rat der Volksbeauftragten, dessen Bemühen schließlich zur Weimarer Republik führte.

What a day. Das ist Politik! Die BPP (Bundeszentrale für Politische Bildung) fasst alle Ereignisse gut auf ihrer Seite zusammen: www.bpb.de

9. Nov. 1848, Scheitern der Märzrevolution als der Abgeordnete Robert Blum in Wien erschossen wurde
9. Nov. 1918, als in Berlin die Republik ausgerufen wurde. siehe oben
9. Nov. 1923, als Hitler mit Ludendorf den Feldherrnhallen-Putsch in München machte
9. Nov. 1938, Reichskristallnacht deutschlandweites Judenpogrom
9. Nov. 1989, Fall der Berliner Mauer


Und überhaupt Luther

Dann muß man über die Hauptstraße an der Jesuitenkirche und Kampfmadonna vorbei, am Augustinerkloster an Luther denken, der 1518 hier erstmals seine Thesen disputierte um dann zum Reichstag nach Worms zu reisen: "So bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!" Die berühmten Worte "Hier stehe ich und kann nicht anders!" stammen nicht von Luther, sind aber eine gute Zusammenfassung seiner Lehre SSS: Sola Fide, Sola Gratia, Sola Scriptura (Solum Christum). Allein durch den Glauben, Allein durch die Gnade Gottes, allein durch die Schrift kannst du selig werden, aber nicht durch Tetzels (gest. 1919) Ablaßhandel: Wenn der Groschen im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt. Nette Geschichte am Rande: Auch aus Berlin ist eine ähnliche Geschichte überliefert: Tetzel verkaufte beispielsweise vor der Nikolaikirche die "schriftliche Vergebung der Sünden" an gut Zahlende. Gegen Geld erwarb auch ein anonymer Wohlhabender eine Ablaßurkunde für eine Sünde, die er erst am Folgetag begehen wollte. Als Tetzel am nächsten Tag weiterreiste, wurde er in der Nähe von Trebbin überfallen, und die Ablaßlade mit den eingenommenen Geldern wurde ihm geraubt - von dem Mann, der sich schon von der Strafe Gottes freigekauft hatte.




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